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Totenbuch aus dem 17. Jahrhundert – Städtischer Friedhof für Bürger und Gotteshausleute

Totenbuch: StadtASG, KiA, Bd. II, 3, 1.

Das vorliegende Totenbuch ist das älteste Sterberegister der Stadt St. Gallen; es geht auf das Jahr 1576 zurück. Sterberegister geben uns einen Eindruck davon, wie viele Menschen in einem Jahr starben und – sofern das Sterbealter vermerkt ist – wie alt Menschen früher wurden. In diesem Buch sind nämlich Tag für Tag die Verstorbenen mit ihren Namen eingetragen; zudem sind sie nach Altersgruppen klassifiziert. Gewöhnlich starben in den Jahren zwischen 1576 und 1609 jährlich rund 150 bis 250 Personen. Die Kindersterblichkeit war im Vergleich zu heute sehr viel höher; sie lag in vielen Jahren bei mehr als 50 Prozent. (Zum Vergleich: Heute liegt die Kindersterblichkeit in der Schweiz bei ca. 0,4 Prozent.)

Die Anzahl Todesfälle explodierte in Pestjahren bisweilen um das Zehnfache. Pestzüge erreichten St. Gallen in den Jahren 1349, 1441, 1443, 1474, 1517/19, 1526, 1530/31, 1541/42, 1564/66, 1574/75, 1585, 1594/95, 1611, 1629 und 1635. Die Pest wütete im Sommer am stärksten, denn die seuchenverbreitenden Flöhe benötigten eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit und eine dementsprechende Lufttemperatur. In den Totenbüchern sind die Pestjahre auf den ersten Blick erkennbar: Insgesamt starben im Pestjahr von 1629 mehr als 1’400 Personen. Darunter waren 98 Männer, 160 Knaben, 163 Ehefrauen, 81 Witwen, 247 Töchter und Dienstmägde und 671 Kinder. Dies entsprach ungefähr einem Viertel bis einem Drittel der Stadtbevölkerung.

Viele der Verstorbenen, welche in den Totenbüchern verzeichnet sind, dürften im Bereich zwischen Stadthaus, St. Laurenzenkirche und Stiftsbezirk begraben sein. In diesem Gebiet befand sich der älteste Stadtfriedhof.