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Stadtplan von 1596 – gezeichnet von Melchior Frank

Der so genannte Frank-Plan aus dem Jahr 1596 ist die erste Darstellung, welche die Situation der Stadt und des Klosterbezirks realitätsnah wiedergibt. Die Stadt wird in einer Mischung von Grundriss und Aufriss präsentiert. Die einzelnen Häuser können gut identifiziert werden, unter anderem deshalb, weil die Strassenzüge und Plätze überdimensioniert breit dargestellt sind.

Der Plan hat seinen Namen von seinem Urheber Melchior Frank. Dieser war Goldschmied und während vier Jahren Mitglied des Grossen Rates. Ein Auftrag für die Herstellung des Plans lässt sich zwar nicht nachweisen, nichtsdestotrotz entlöhnte der Rat Frank mit 20 Gulden für seine Arbeit. Der Plan gibt die Stadt als wirtschaftlich, privat und kirchlich genutzten Ort wieder. Ausdruck davon ist die Darstellung von Aktivitäten in den Gassen und auf den Plätzen (als Beispiel sei der Viehmarkt genannt, im Bild rechts oben neben dem mit H bezeichneten Kornhaus), die nicht nur als Staffagen zu bezeichnen sind. Es handelt sich hier um jenen Stadtsanktgaller Plan, der die Stadt am detailgetreusten wiedergibt. Dies unterstreichen die anlässlich der Verlegung des Glasfaserkabelnetzes durchgeführten archäologischen Untersuchungen, welche viele im Plan dargestellte Bauten bestätigten. Offen bleibt die Frage, welchem Zweck der Plan diente. Es ist beispielsweise ungewiss, ob Franks Plan der Öffentlichkeit überhaupt zugänglich war. Die überhöhte Darstellung der wichtigsten städtischen Bauten (Rathaus, Metzg, Kornhaus, Stadtkirche) sowie die Anordnung der Bildlegende, welche vor dem Reichskloster die wichtigsten städtischen Bauten aufführt, verraten aber das starke Selbstbewusstsein des Urhebers, vermutlich auch stellvertretend für das der Bürger: Zur Zeit der Entstehung des Plans befand sich die Stadt in einer wirtschaftlichen Blüte. Kurz zuvor hatte sie sich definitiv herrschaftlich vom Kloster befreit (Wiler Vertrag von 1566). Unter Umständen diente der Plan nebst der Selbstdarstellung auch der städtischen Verwaltung, beispielsweise zur Orientierung beim Einzug der Steuern.