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Erstes Donatorenbuch von 1615-1750 – Büchergeschenke an die Stadt

VadSlg Ms 10, fol 18r-19v

Jakob Studer (1574-1622) war der erste vom städtischen Rat gewählte, weltliche Bibliothekar der Stadt. Als passionierter Büchersammler, Buchhändler und interessierter Leser war der Ratsherr Studer für diese Aufgabe prädestiniert und für St. Gallen ein Glücksfall. Aus einer der reichsten Familien der Stadt stammend, konnte er sich qualitativ herausragende, mittelalterliche Handschriften und Inkunabeln schon früh leisten. Das Frönen dieser Leidenschaft bedurfte neben der notwendigen Finanzkraft aber auch der Pflege eines dichten Beziehungsnetzes mit Gleichgesinnten. Es war deshalb nicht abwegig, dass er 1615 bei seinem Amtsantritt als Stadtbibliothekar ein grossformatiges Donatorenbuch eröffnete. Mit gutem Beispiel vorangehend, schenkte Studer der Bibliothek über hundert Bücher, darunter Meisterwerke wie die Weltchronik von Rudolf von Ems oder ein reich illustriertes Stundenbuch aus dem 15. Jahrhundert. Diese Schenkungen trug er eigenhändig ins Donatorenbuch ein.

Das Donatorenbuch erhielt im Verlauf der Zeit verschiedene Namen, so nannte man es Ehrenbuch, „Honorarium“, Studer selbst sprach jedoch meistens vom Stammbuch. Der Begriff verweist auf die studentischen Freundschaftbücher, die „libri amicorum“, in welchen man Freundschaften und ehrenvolle Bekanntschaften zum Andenken eintrug. Ein Eintrag füllte dabei jeweils eine Doppelseite; ein Sinnspruch auf der einen, eine Zeichnung oder ein Wappen auf der anderen Seite. Ähnlich verhielt es sich im Donatorenbuch. Ein farbenfrohes und reich verziertes Familienwappen und der Eintrag über die Schenkung füllten jeweils eine Seite. Die Vergabungen waren eher als Freundschafts- oder Ehrengeschenke gedacht, als eine freiwillige Spende an eine staatliche Institution. Solche Wohltätigkeitsbeweise an die Stadt gehörten als selbstverständliche Pflicht der Obrigkeit und der wohlhabenden Familien zum guten Ton. Hinzu kam, dass das Donatorenbuch für jedermann einsehbar in der Bibliothek auflag und damit Zeugnis über die Grosszügigkeit gewisser Mitbürger ablegte.

Das Donatorenbuch beginnt mit der Lebensgeschichte von Joachim von Watt (1483/4-1551), verfasst von seinem Freund und Zeitgenossen Johannes Kessler. Schliesslich war Vadian mit der testamentarischen Schenkung seiner Privatbibliothek an die Stadt ausschlaggebend für die Gründung der Stadtbibliothek. Dem in der „Vita Vadiani“ geschilderten Beispiel solle man folgen und damit sein Andenken auf alle Zeiten ehren. Daran schliesst, wie oben abgebildet, der Eintrag von Jakob Studer mit Familienwappen an. Eine Widmung an den Leser und eine Mahnung an die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens kommen im Anschluss. Auf den Folgeseiten sind dann die Bücher verzeichnet, die Studer selbst der Bibliothek schenkte, eingeteilt in Handschriften und gedruckte Bücher und geordnet nach Sprachen. Bis 1750 folgten ihm über 200 Schenker nach und verewigten sich damit im Donatorenbuch. Diese Grosszügigkeit war und ist bis heute ein Glücksfall. Denn die wertvollsten Bestände kamen zu dieser Zeit in die Bibliothek und begründen bis heute den nationalen und internationalen Ruf der Vadianischen Sammlung der Ortsbürgergemeinde St. Gallen.

Weiterführende Literatur: