Kauf einer Herrenpfrund im Spital

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Einleitung
Kauf einer Herrenpfrund im Spital
Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, SpA N, 1 (Pfrundbuch 1460-1566), S. 129.

Im ersten Pfrundbuch (1460 bis 1566) konnten rund 700 Pfründner-Einträge ausgemacht werden, von denen etwa 500 Einträge mit eindeutigen und die restlichen Einträge mit nicht ganz eindeutigen Klassifizierungen versehen sind. Von diesen ungefähr 700 betreffen etwa 70 Einträge die Aufnahme in die Herrenpfrund. Die Herrenpfrund war nur den Wohlhabenden vorbehalten. Die Höhe der bar bezahlten Preise betrug in der Regel 100 bis 200 Gulden und in vielen Fällen mehr. Die höchsten Beträge erreichten über 1000 Gulden. Rechnet man diese 1000 Gulden um auf heutige Verhältnisse – beispielsweise mit Preisangaben für Kühe – so kommt man auf Summen von über einer halben Million Franken.


Hinweise zur Transkription
Transkribieren Sie u/v nach dem Lautwert (also z.B. «und» für «vnd»). Fügen Sie über der Zeile stehende Vokale hinter dem darunter stehenden Vokal ein. Distinktionszeichen werden in der Transkription weggelassen. Passen Sie i und j dem heutigen Gebrauch an (z.B. «inner» statt «jnner», «irem» statt «jrem»). Zeitgenössische Worttrennungen (in der Regel durch Doppelpunkte angezeigt) werden in der Transkription mit Bindestrichen dargestellt. Lösen Sie römische Ziffern mit arabischen Zahlen auf (c = centum = 100; 11c = 1100). Nutzen Sie bei Unsicherheiten die Tipps.


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Übung
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Resultat
Kauf einer Herrenpfrund im Spital
Die Transkription lautet:
Hainrich Schenck von Wil und Sophia
Mundprattin sin eelich husfrow hand von
den ussermaistern spittals und Hansen Hoptli, der zit
inner spittailmaister, die herren pfruond um 1100 fl
sant Galler werung erkoufft uff den 15 december
im 1559, in wys und mas wie volgt. Erstlich git inen
der spittail ain aigen gemach mitt der stuben, darinnen
Basti Möntzmaister gesin, git spitail inen holtz inn ofen
und ann herd, und sy über die spyß, so man inen zuo jmis
und nachtmal in ir gemach gibtt, andere spyß haben,
die in irem kosten haben unnd kochen mögen. Item der spit-
tail git ietwederm 1 1/2 maß win und der magt 1/2 maß und
nemlich iren 2 maß alten win und die überigen 1 1/2 maß
win, wie man allen pfründeren git, darvon sy der magt
1/2 mas win gend.
Erörterung:
Mit den Höchstpreisen für eine Herrenpfrund waren auch die höchsten Gegenleistungen des Spitals verbunden. Der hier wiedergegebene Pfrundvertrag von Heinrich Schenck von Wil und Sophia Muntprat, datiert auf den 15. Dezember 1559, vermittelt den Eindruck des komfortablen Aufenthalts im Spital, den die Herrenpfründner genossen. Die beiden Eheleute waren zusammen mit ihrer Magd ins Spital eingetreten, wobei sie dieser zusätzlich zu ihrer eigenen Herrenpfrund eine Mittelpfrund kauften. Der Preis, den sie insgesamt zu entrichten hatten, betrug 1100 Gulden, was dem zweithöchsten für eine Pfründe bezahlten Bargeldbetrag aus dem Pfrundbuch von 1460 bis 1566 entspricht.

Erklärungen
ussermaister: Aussermeister
spittailmaister: Spitalmeister
herrenpfruond: Herrenpfrund
fl: Abkürzung für Gulden, florenus
jmis: Imbiss, Mahlzeit
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Übung
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Resultat
Kauf einer Herrenpfrund im Spital
Die Transkription lautet:
Item spittal git inen alle jar um sant
Michels tag 6 lb liechter und allen dryen schuo nach notturft,
die nach irem absterben dem spittail dem spittal belibend. Desglichen
git man disen eeluthen das guot jar wie anderen
herren pfrunderen. Item ir magt sol ir pfruond in der mitel
pfruonder stuben niessen, doch suppen, flaisch und das zuo-
gmüß mag sy wol mit inen in irem gemach essen, doch
der koch nit meer visch und braattens den fur 2 menschen
geben sölle, unnd aber sy baide in der herren stuben essen
wurdind, die magt in der pfründer stuben wie vorstat
essen sölle.
Erörterung:
Das Heiliggeist-Spital stellte dem Ehepaar Schenk ein eigenes Gemach mit Stube und Ofen- bzw. Herdholz zur Verfügung, um Speisen, die sie ohne Unterstützung des Spitals kauften, zubereiten zu können. Weiter hatten beide Anspruch auf je 1 1/2 und ihre Magd auf 1/2 Mass Wein, wovon 2 Mass vom besseren, alten Wein sein sollten und die übrigen 1 1/2 Mass von dem Wein, den man allen Spitalinsassen ausschenkte. Von letzterem sollten sie ihrer Magd 1/2 Mass geben. Ein St. Galler Mass entsprach etwa 1,3 Liter; das Ehepaar hatte also Anspruch auf je 2 Liter Wein täglich. Zudem hatte das Ehepaar Schenk Anrecht auf Fett für die Beleuchtung und auf Schuhe für alle drei nach Bedarf («nach notturft»).

Erklärungen
sant Michels tag: St. Michaels-Tag (29. September)
lb: Abkürzung für Pfund (libra)
liechter: Lichter, Kerzen
niessen: nutzen
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