Schulaufsatz «Eine Tour auf den Säntis»

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Einleitung
Schulaufsatz «Eine Tour auf den Säntis»
Titelseite des Schulaufsatzes, der insgesamt sieben Seiten umfasst.
Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St. Gallen.

Die Alpen als natürlicher Lebensraum sowie als überwindbares Hindernis für Handel und Verkehr gehörten für die in den Schweizer Bergkantonen lebenden Menschen seit jeher zur Realität. Das Verhältnis zu ihnen veränderte sich aber im Laufe der Zeit.


Während sich im 18. Jahrhundert erste Wurzeln jener Alpenromantik finden, die sich wenig später bei der Konstruktion einer Nationalidentität als hilfreich erweisen sollte, wurden die Berge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gleichsam neu entdeckt, nämlich unter dem Aspekt der sportlichen Herausforderung. Zuvor waren Bergketten im Zuge des Waren- und Informationsaustauschs an günstigen Stellen (Pässen) überquert worden; nun folgten immer mehr Menschen im Sinne einer Freizeitbeschäftigung dem Ruf der Gipfel. Viele Erstbesteigungen ebenso wie die Gründung von Wandervereinen und Alpenclubs fielen in diese Zeit – Wandern wurde zum Volkssport. Anfangs des 20. Jahrhunderts begann dann gleichsam die technische Eroberung der Alpen. Man erkannte zunehmend das ökonomische Potential einer touristischen Erschliessung der Bergregionen und einer Vermarktung landschaftlicher Schönheiten. Dadurch kam ein Trend in Gang, aus dem die Schweiz noch heute einen nicht geringen Teil ihres Wohlstands zieht.


Der nachfolgende Schulaufsatz fällt in diesen Zusammenhang. Im Jahr 1914 berichtet ein Schüler aus St. Gallen von einem Familienausflug mit dem damals brandneuen Säntisbähnchen nach Wasserauen und einer anschliessenden Wanderung im Gebiet des Alpsteins. In der zu transkribierenden Stelle beschreibt das Kind das sich ihm darbietende Panorama.


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Übung
Schulaufsatz «Eine Tour auf den Säntis»
Zoom Level:
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Resultat
Schulaufsatz «Eine Tour auf den Säntis»
Die Transkription lautet:
Tief unter
uns lag der schöne Seealpsee mit
seinen drei bewaldeten Land-
zungen. Uns gegenüber erhoben
sich der Schäfler und die Alten-
alptürme, während uns zur
Seite der Hundstein und die Freiheit
und vor uns der weiße Altmann
lagen. Ein Stückchen unter der Me-
glisalp rasteten wir, dann [ging's] durch
das Dörfchen auf der Meglisalp
und auf der andern ebenfalls
steilen Seite hinauf.
Erörterung:
Weil es sich bei dieser Quelle um einen Schulaufsatz handelt, weist die deutsche Kurrentschrift keine individuelle Prägung auf und ist unter Zuhilfenahme des Musteralphabets relativ einfach zu transkribieren.
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Kurrentschrift im germanischen Sprachraum die gebräuchlichste Handschrift. In den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz gab es freilich in den 1920er und 1930er Jahren Bestrebungen, von dieser als zu eckig und schwierig erlernbar kritisierten Schrift wegzukommen. Einflussreich dabei wurde eine von Paul Hulliger entworfene Schreibschrift, deren Formenschatz sich an der lateinischen Schrift orientierte. Sie wurde ab 1926 in den Basler und ab 1936 in den meisten übrigen Deutschschweizer Schulen eingeführt, ehe sie 1947 durch die Schweizer Schulschrift ersetzt wurde.

Diese wird bis heute gelehrt, obwohl in den letzten Jahren verstärkt Kritik laut wurde, inwieweit das getrennte Erlernen einer unverbundenen Basisschrift («Steinschrift») sowie einer verbundenen Schreibschrift («Schnürlischrift») noch den heutigen Schreibgepflogenheiten entspricht.